Korfu 20.-27.09.

 

Mein erster Urlaub alleine. Also ganz alleine. Auch ist es meine erste Reise, die den Fokus allein auf Reptilien hat.
Die Chance wirkliche große Diversität auf wenig Raum zu erleben und zu sehen wie viel Sinn es macht auf einer Insel mit giftigen und wilden Tieren alleine durch Niemandsland zu stampfen. Vielleicht auch deshalb ist der folgende Bericht auch zu einer Art Tagebuch ausgeufert – ich hatte eben Zeit!
Aber von vorne:

Tag 1
Schon morgens komme ich am Flughafen Kerkyra an. Die Luft ist angenehm bei 18°C. Der Mietwagen ist schnell geholt und schon eine halbe Stunde später bin ich am Hotel. Natürlich ist das Zimmer noch nicht frei und mit dem ganzen Gepäck möchte ich nicht herumfahren oder es dort liegen lassen.
Meine Basisstation ist Gouvia, recht zentral an der Ostseite der Insel. Das Hotel Popi Star hat den größten Stern im Namen – aber wen ein recht konstanter Lärmpegel verursacht durch russische Urlauber nicht stört und auch ansonsten eher auf eine bodenständige Unterkunft steht, muss nicht enttäuscht werden. Um dort zu essen und zu schlafen reicht es aber allemal.

 

 

Obwohl ich es fast nicht für möglich gehalten hätte, bin ich schon um 12Uhr im ersten der vielen potenziellen Habitate, die ich mit Hilfe von Google ausgemacht habe. Auf Korfu sind die Wege kurz – und die Straßen schmal (!), weshalb man innerhalb von einer halben Stunde auch schon fast komplett nach Nord oder Süd fahren kann.

Die erste Überraschung war jedoch, dass mein so vielversprechendes Habitat von einem Zaun umringt ist und ich daher vermieden habe, mir Zutritt zu verschaffen. Die vielen Hunde in verlassen wirkenden Grundstücken machen einen da sowieso recht schnell sehr vorsichtig. Korfioten halten sich überall Hunde, diese bewachen Vieh oder Grundstücke.

Also bin ich einen Schotterweg empor zu einer Olivenhain gelaufen. Olivenbäume sind wohl die häufigsten Bäume auf Korfu und mit den vielen Legesteinmauern und Büschen dazwischen bieten sie Raum für viele Tiere.
Nicht lange muss man suchen, da huschen schon sehr regelmäßig kleine,  braune Echsen vom Wegrand in die Büsche oder Mauern. Die Tiere sind unglaublich wachsam und es ist am Anfang fast unmöglich die Tiere zu sehen, bevor sie einen sehen.



Deshalb habe ich zuerst mit Wirbellosen vorliebgenommen.


Nach ein paar Stunden sind aber die ersten Bilder im Kasten und dank 180mm KB-Brennweite am Macro lassen sich die Tiere an der Kamera als Pracht-Kieleidechsen (Algyroides nigropunctatus) identifizieren. Bisher habe ich nur Jungtiere gesehen, die von weitem wie die Mauereidechsen bei uns wirken.


Das Habitat wird immer dichter und die Tiere nicht weniger. Mit großem Krach und ohne Feingefühl flüchten leicht zu hören die ersten wirklich großen Eidechsen in die Büsche. Ein Versteckspiel, immer wieder bekommt man nur Ausschnitte einzelner Tiere zu sehen.


Podarcis tauricus


Lacerta viridis


Dolichophis caspicus?

Wenn das Auge aber auch auf diese Tiere geschärft ist, wird es schon besser.


Lacerta trilineata


Ganz durch Zufall finde ich den Weg ins Ropa-Tal, was mir aber erst am zweiten Tag bewusst wird. Dort allerdings tritt man in mehr Pferdehaufen als man Tiere sieht und die Motocrossfahrer, die sich dort ihren Spaß gönnen, machen die Sache nicht besser. Immerhin erbarmen sich zwei Grünfrösche (Pelophylax spec.) mich ein Bild machen zu lassen.


Ich bin schon ein paar Stunden unterwegs da finde ich endlich Müll. Heißersehnt und unschön zugleich. Die Verschmutzung der Landschaft ist auch auf Korfu üblich. Selbst fernab der Zivilisation findet man immer wieder illegale Müllhalden. So hässlich sie auch sind, sie sind tolle Verstecke für Tiere. Ich empfehle jedem aber die Finger davon zu lassen irgendwas anzufassen, sofern er sich nicht vernünftig vor Bissen von Giftschlangen oder Skorpionsstichen schützen kann!

Ich finde aber „nur“ einen Triturus vulgaris graecus von diesem Jahr und irgendeinen Buthiden – von dem ich mich sicherlich genauso wenig stechen, wie von einer Giftschlange beißen lassen wollte!


Lissotriton vulgaris graecus


Buthus spec.

Kurz danach finde ich Reisighaufen und in einem höre ich sehr deutlich ein großes, schweres Tier ohne Beine fliehen. Ich bekomme es nicht zu Gesicht und da dieser Platz in voller Sonne ist, halte ich es auch nur wenige Minuten wartend aus.

Eine Sache habe ich vollkommen unterschätzt: Stechmücken. Tag und Nacht suchen sie unermüdlich nach Blut. Viel zu spät habe ich das festgestellt und viel zu gründlich müssen die Mittelchen aufgetragen werden, damit diese kleinen Biester nicht doch einen Platz finden.

Tag 2
Da das Habitat vom Vortag so gut aussah aber so wenige Tiere zur Mittagszeit unterwegs waren, möchte ich noch einmal zu Sonnenaufgang dorthin gehen. Mit 21°C ist es jedoch schon morgens um 7Uhr deutlich heißer als am Tag davor.

Ich bin vorsichtig unterwegs. Überall auf Korfu begegnen einem Reste eines großen "Hobbys" der Griechen: Die Jagd.
Hülsen von Schrotmunition findet man in den entlegendsten Plätzen.


Immerhin habe ich was Schlangen angeht dort etwas mehr Glück. Mit großem Getöse und wie nach Peitschenhieben klingendem Schwanzschlagen verschwindet eine beeindruckend große Schlange im Dickicht. Ein Bild konnte ich noch machen. Ich vermute eine Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus). (Danke an die Ideengeber!)



Genug von diesem Fleck, Korfu bietet noch so viele weitere.


Deutlich weiter im Süden habe ich Müll ausmachen können. Schon beim Aussteigen und noch bevor ich den Kofferraum öffnen konnte sah ich keine zwei Meter von mir die erste Schlange gemächlich unter einem Stein verschwinden. Keine Chance hier noch rechtzeitig zu reagieren. Mir bleibt nur die Erinnerung an eine braune Schlange.



Die mir vorliegenden Bilder dieses Punktes sind von Ende 2011 und die Lage hat sich wohl nicht verbessert. Neben allerhand Hausmüll sind dort auch die ganze Ausstattung einer Bar samt Spielhalle und Bauschutt verstreut. Ich bemühe mich dort von allem etwas zu drehen, die Auswahl ist riesig. Außer Bufo spinosus und Hemidactylus tucicus – jeweils als Jungtier, ist nichts zu finden. Schöne Tiere, aber die erhofften Schlangen blieben eben aus.


Bufo spinosus


Hemidactylus turcicus


Ich laufe ganz spontan weiter und im Straßengraben nutzt die nächste Schlange die Legesteinmauer und verschwindet im Nirgendwo. Wieder braun und wieder keine Zeit die Art irgendwie sicher zu bestimmen.
In einem Olivenhain verschwindet kurz bevor der Fokus sitzt ein großer Hardun (Stellagama stellio) in einer Höhle. Selbst nach 5 Minuten kommt er nicht mehr heraus. Der Fund ist für mich eher überraschend. Publikationen von vor etwa 10 Jahren sahen die Art noch als deutlich weniger weit auf der Insel verbreitet.


Stellagama stellio


Algyroides nigropunctatus


Auch hier entkommt mir wieder eine Schlange. Diese konnte ich aber als Platyceps najadum dahli identifizieren. Das helle Vorderende und dieser unglaublich zarte Körper sprachen eindeutig dafür.

Nach 3 Stunden Pause an einem Strand halte ich auf dem Rückweg spontan an einem Olivenhain. Verfolgt von einem Straßenhund gelingt es mir nur schwer mich zu konzentrieren. Die letzte Schlange des Tages flieht in einen Reisighaufen und ich gebe mich für diesen Tag geschlagen.


Straßenhunde und verwilderte Katzen sind ein alltäglicher Anblick auf Korfu. Elend sieht man hier häufig. Dennoch muss man gerade gegenüber der Hunde Stärke zeigen, denn nicht jeder ist so jung, klein und schreckhaft  wie dieser.

Tag 3
Ich möchte den Norden sehen. Schnell wird mir klar, dass es dort nicht so waldig ist, sondern viel steiniger.
Mein Reiseführer vermerkt zu einer Wanderung, dass auf dieser Schlangen zu erwarten sind. Daher kann ich mir diese nicht entgehen lassen. Schon am Einstieg zu diesem Wanderweg, der vor allem auf Viehwegen verkehrt, macht mir ein Einheimischer klar, dass es nicht einfach sein wird den Weg zu begehen. Ich bin ja recht bergfest gut guten Mutes, also lasse ich mich nicht verunsichern. Nach einem kleinen Wäldchen wird der Pfad sehr schmal und führt durch fast hüfthohes Gras und blanken Fels. Unmöglich hier eine Schlange zu sehen, bevor sie mich sieht.


Auch verliere ich schnell meinen Weg aus den Augen, sodass ich mich dafür entscheide, einfach beinahe senkrecht in die Höhe zu steigen. Wie durch Zufall finde ich im Schatten eine Sandboa (Eryx jaculus). Fast nicht zu erkennen ist sie in diesem Habitat.
Wer findet sie?



Als ich aber endgültig keine Möglichkeit mehr sehe weiter zu kommen, entscheide ich mich umzudrehen.


Auf einem nahegelegenen Schotterweg steige ich spontan einen Hügel hinauf. Einige Echsen kreuzen, wie überall, den Weg. In meinen Augenwinkeln verschwindet plötzlich eine braune Schlange im Gebüsch – wieder einmal. Auch nach 10 Minuten des Wartens in sicherer Entfernung kommt sie nicht heraus und ich gehe weiter. Oben auf dem  Hügel angekommen, sehe ich dicke Wolken aufziehen, sodass ich lieber den Heimweg antrete.

Meinen Heimweg trete ich über die Nordküste und Ausläufer des Pantokrator-Massivs an.
Während der Auffahrt auf einen Berg, sehe ich eine weitere Schlange auf einer einsamen Bergstraße in die Büsche verschwinden.
Auf etwa 400m NN stelle ich mein Auto ab und besteige einen Berg. Es wachsen dort nur flache Sträucher. Außer Lacerta trilineata und verschiedenen Wirbellosen ließ sich nichts finden.

Tag 4
In der Nacht hat es fast ununterbrochen geregnet. Pünktlich zu Sonnenaufgang hörte es aber auf und die Wolken beginnen sich zu lichten. Es ist kühler als die Tage zuvor.
Ich möchte Richtung Süden, erwarte aber am frühen Morgen nicht viel spektakuläres.
Ich entdecke auf dem Weg einen Kanal, der sehr vielversprechend aussieht.



Direkt dort angekommen stürzen sich unzählige Grünfrösche (Pelophylax spec.)  ins Wasser. Auch eine Schildkröte (Mauremys rivulata) taucht zügig ab. Das umliegende Gebiet sieht interessant aus, bietet aber am Morgen nichts.

Also geht es noch weiter Richtung Süden.
Wieder ganz spontan halte ich an einem vielversprechend aussehenden Gebiet. Zwei Schlangen flüchten im hohen Gras vor mir. Nach einiger Zeit bemerke ich, dass es sich um das Gebiet handelt, das ich erst vor zwei Tagen begangen habe – dieses Mal aber von einer anderen Seite und ohne Straßenhund im Nacken.
Unter einer Brombeerhecke finde ich, gut versteckt, die erste Hornotter (Vipera ammodytes) meines Lebens. Ein großes Weibchen. Ich muss mich beherrschen, dass ich nicht anfange durch die Gegend zu springen. Obwohl ich eben das unterlassen habe, gab sie mir keine Chance näher als 3 Meter zu kommen.
Wenig später finde ich auch eine frisch wirkende Schlangenhaut mit über einem Meter Länge.

Vipera ammodytes im Habitat:

Schlussendlich geht es zum eigentlichen Ziel.


Nach nicht allzu langer Zeit, es ist bereits 11:30 Uhr, finde ich die zweite V. ammodytes! Wieder ein Weibchen und wieder im Halbschatten. Ich komme etwas näher und schon ist sie weg.

Gewohntes Suchspiel:


Mauremys rivulata


Etwas später verschwinden zuerst ein großer Scheltopusik (Pseudopus apodus) und eine weitere weibliche V. ammodytes im hohen Gras neben dem Weg.
Unter einer Brombeerhecke dann die vierte V. ammodytes des Tages. Das erste Männchen und deutlich kooperativer als die Weibchen zuvor.

Vipera ammodytes Suchspiel:


Scolopendra cingulata

Tag 5
Um an die Erfolge des Vortages anknüpfen zu können, möchte ich wieder in ein südliches Habitat.
Dort ergreifen zwei P. apodus und zwei Schlangen, davon eine Dolichophis caspicus direkt vor mir, die Flucht.


Lacerta trilineata

Einige hundert Meter weiter oben besuche ich wieder ein ganz andere Habitate und weitere zwei Schlangen sind hier schneller als meine Kamera.
Es ist der wärmste Tag bisher und Sonnenbrand macht mir zu schaffen.

Es gibt auch allerhand anderes auf wirklich individuell gestalteten Grundstücken zu entdecken:


Rana dalmatina

Ich mache einen Schwenk am Kanal vorbei, da das Wetter für die dort vermuteten Tiere besser ist als am Tag vorher, bevor ich zum Hotel aufbreche.

Ich entdecke wieder viele Grünfrösche (Pelophylax spec.) und dieses Mal auf einem Stück Beton auch drei europäische Sumpfschildkröten (Emys orbicularis), sowie eine Rotwangenschildkröte (Trachemys scripta), die eigentlich in den USA leben sollte. Leider keine Natrix spec.

Tag 6
Da es fast durchgängig regnet ist dieser Tag als vollkommen verloren anzusehen. Die wenige Zeit, die ich draußen war, hatte ich unschöne Begegnungen mit Hüte- und Straßenhunden. Wegen diesen und dem gewaltigen Schilfgürtel war es mir nicht möglich an einige Seen zu kommen.
Daher fülle ich diesen Tag mit einem Katzenfoto :)

Tag 7
Am Morgen hört der Regen auf und schnell sorgt die Sonne dafür, dass die Wolken verschwinden. Vorallem viele Eidechsen nutzen den frühen Morgen um Wärme zu tanken.


Podarcis tauricus

Ich verbringe meinen letzten vollen Tag in verschiedenen Trockenstandorten. Wieder verpasse ich mehrere Schlangen und auch Scheltopusiks. Auch finde ich Überreste eines Scheltopusiks, der wohl dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen ist.
Außer den Knochen ist nur noch die Außenhaut vorhanden. Die Bezeichnung Panzerschleiche trifft also wirklich zu.

Zum Nachmittag konnte ich dennoch einige schöne Fotos verbuchen.


Hierophis gemonensis


Pseudopus apodus

Stolze 102cm:

 

Auch meinen Alterwohnsitz konnte ich finden. Das Obergeschoss fehlt noch, aber der Garten ist schon fertig!

Fazit: So schnell wie möglich noch einmal hin!
Korfu ist eine Insel für jeden. Sowohl der übliche Pauschaltourist, der Feinschmecker, der Wanderer als auch die Familie finden ihre Ecke und für Herpetologen und die, die sich für dieses Gebiet interessieren, ist Korfu sowieso toll. Mir fehlen ja auch noch rund 15 Arten, bis ich alle auf Korfu gesehen habe!

Artenliste:
 

Ablepharus kitaibelii
Algyroides nigropunctatus
Lacerta trilineata
Lacerta viridis
Podarcis tauricus

Pseudopus apodus

Emys orbicularis
Mauremys rivulata
Trachemys scripta

Dolichophis caspius
Eryx jaculus
Hierophis gemonensis
Malpolon monspessulanus
Platyceps najadum dahli
Vipera ammodytes

Hemidactylus turcicus

Stellagama stellio

Bufo spinosus

Triturus vulgaris graecus

Rana dalmatina
Pelophylax spec.