02.02.13

Vorwort:

Der Walstad-Stil bezeichnet Aquarien, die nach dem Vorbild von Diana Walstad eingerichtet werden.
Diana Walstad schrieb das Buch "Ecology of the planted aquarium", das es in deutscher Übersetzung als "Das bepflanze Aquarium" gibt. Mittlerweile gibt es das Original bereits in dritter Auflage.
Walstad beschreibt äußerst komplex und mit wissenschaftlichen Belegen die chemischen Vorgänge und Zusammenhänge im Aquarium. Zudem wird das Buch durch ihre eigenen Erfahrungen ergänzt. Hierbei handelt es sich nicht um ein Buch für Anfänger. Es ist frei von bunten Bildern und typischen Anfängertipps und setzt voraus, dass man sich gerne intensiv mit Chemie aber nicht mit Pflegemaßnahmen im Aquarium beschäftigt.

Schon lange war der Plan in meinem Kopf ein Aquarium nach Walstads Buch zu besitzen. Bisher besitze ich zwar schon einige techniklose und ansonsten nur technikarme Becken, also Becken, die von mir wenig gepflegt werden keine Düngung, starke Beleuchtung usw. brauchen, aber der Walstad-Stil ist doch etwas anderes. Zwar bin ich mir sicher, dass ich mir einige Freiheiten außerhalb Walstads "Lehre" erlaube, aber der umfangreiche Inhalt des Buches ist noch nicht vollständig in mein Fleisch und Blut übergegangen.

Jetzt bot es es sich an, spontan ein solches Aquarium in Angriff zu nehmen. Anfang Dezember habe ich vier Ambystoma andersoni bekommen, die bisher in einem sehr einfachen Becken ohne Bodengrund gehalten wurden, damit ich sie die erste Zeit "unter Kontrolle" habe.

Aquarium andersoni ambystoma walstad diana

Wie zu erwarten war, baute die Wasserpest eher ab, anstatt zu wachsen. Nicht nur, dass sich langsam Braunalgen bildeten, so wollte sie mir wohl nicht verzeihen aus 18°C "warmem" Wasser in 9°C kaltes gesetzt zu werden.
Der Filter, der bereits seit 10 Jahren als eine Art Alibifilter (wirkt auf die meisten professioneller, wenn ein Becken direkt als "gepflegt" und "kontrolliert" wirkt) in Nutzung ist, war da um Kahmhaut vorzubeugen und zumindest ein paar nützliche Bakterien von Anfang an im Becken zu haben.

Während einer knapp zweistündigen Arbeit wurde dieses 80x35x40cm Becken also umgestaltet.

Der Ablauf:
Zuerst wurde das Becken geleert. Anschließend habe ich 1-2cm lehmhaltigen Mutterboden aus etwa 50cm Bodentiefe eingebracht.
Sehr spontan habe ich die Filtermatte, auf der ein leeres Terrarium stand (im vorigen Bild zu sehen), als Mattenfilter ihrem eigentlichen Sinn zugeführt. Der vorige Innenfilter wird also von der enthaltene Filtermatte getrennt, die nun hinter dem Mattenfilter liegt und dient damit als einfache Pumpe.

Aquarium andersoni ambystoma walstad diana

 

Danach wurde  2-3mm großer Naturkies 2-3cm hoch eingebracht.

 

Aquarium andersoni ambystoma walstad diana

 

Aus der Nähe sieht man Mutterboden und Kies sehr gut. Man muss darauf achten, dass der Mutterboden vollständig bedeckt wird.

 

Aquarium andersoni ambystoma walstad diana

 

Im Anschluss habe ich einige Zentimeter Wasser eingefüllt und die wenigen Pflanzen eingebracht, die ich da hatte und eingegraben werden müssen.
Im Übrigen hat sich der Deckel einer Samla-Box von IKEA sehr gut als Aufprallfläche für das einfließende Wasser erwiesen.


 

Aquarium andersoni ambystoma walstad diana

 

Vollständig befüllt und typisch trüb sieht das Becken dann so aus:

 

Aquarium andersoni ambystoma walstad diana

An der Matte sieht man nun Moospolster. Diese habe ich mit einem Faden so befestigt, dass das Moos zur Hälfte über und zur anderen Hälfte unter Wasser ist.
Mit Moosen von draußen habe ich in anderen Molchbecken (Dicamptodon tenebrosus, Triturus pygmaeus) sehr gute Erfahrungen gemacht. Gerade Moose, die man im Winter sammelt eignen sich aus folgendem Grund:
Die verhältnismäßig hohen und gleichmäßigen Temperaturen im Haus führen zu einem schnellen Austreiben der Pflanzen. So bildet das Moos schnell Unterwassertriebe und die anderen im Moospolster enthaltenen Pflanzen treiben an die Oberfläche aus. Pflanzen die fluten oder emers wachsen gehören mit dem Mutterboden zu zentralen Themen von Diana Walstad.

Neben Einblatt, Vallisneria und Wasserpest ist nun auch Wassernabel im Becken.

Nun bleibt abzuwarten, wie sich das Becken weiterentwickelt.

 

Sechs Tage nach der Einrichtung:

Aquarium walstad andersoni ambystoma salamander newt molch

 

16.06.13 (~ 4 Monate nach Einrichtung)

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen.
Das Projekt stand zwischenzeitlich kurz vor dem Abbruch, jedoch habe ich doch noch eine Lösung gefunden.
Kurz nach Aufsetzen des Beckens kam es zu einer Algenblüte bei der sehr schnell aber Cyanobakterien dominierten und dazu führten, dass beinahe alles mit einem dicken Schleim bedeckt war. Kein Entfernen der Beläge brachte Besserung und die Unterwasserpflanzen litten sichtlich unter dem Befall.
Erst Anfang Mai habe ich den Kampf beinahe aufgegeben und die Ursache darin gesehen, dass wohl die eingebrachte Erde durch den Kies ins freie Wasser kommen muss und durch den gewaltigen Nährstoffüberschuss die Bakterien so sehr davon profitierten. Also erhöhte ich den Bodengrund kurzerhand um 2cm, entfernte nach Möglichkeit die meisten Beläge. Schon nach wenigen Tagen stellte sich merklich Besserung ein, da die Vermehrung der Bakterien offensichtlich stagnierte.
Innerhalb weniger Wochen erholten sich die Pflanzen, die Cyanobakterien verschwanden. Die Vallisneria hat schon drei Ableger, die vielen eingebrachten Tradescantia-Ranken überwachsen die Aufsetzleuchte und die Wasserpest ist so schön und dicht gewachsen, wie ich es noch nie zustande bekommen hatte.

Leider ist der Umstand, dass die Pflanzen so dicht wachsen, oben direkt unter der Beleuchtung eine hohe Lichtintensität herrscht und dafür am Boden kaum Licht ankommt sehr schwierig eine vernünftige Fotodokumentation durchzuführen.
Mit einem komplexen HDR aus fünf Einzelbildern und einigem Zeitaufwand möchte ich aber dennoch ein Bild zeigen, das den Erfolg verdeutlicht.

Aquarium walstad andersoni axolotl ambystoma salamander newt fish tank tradescantia

 

Natürlich wurde bisher noch KEIN Wasserwechsel durchgeführt sondern lediglich verdunstetes Wasser aufgefüllt!
Die Tiere sehen perfekt aus und es waren lediglich drei der vier zwei Wochen nachdem sie im Becken waren von einmaligem Kiemenpilz befallen.
 

12.04.15

Mittlerweile fand ein kompletter Wasserwechsel statt, da das Becken umziehen musste und es in vollem Zustand so schwer zu transportieren ist ;)
Es ist mittlerweile so zugewachsen, dass die Tiere manchmal nicht zu finden sind.

andersoni ambystoma salamander newt tank enclosure newt triton molch