Haltungsbericht aus der Amphibia, herausgegeben von der AG Urodela

Christina Allmeling und Mario Riedling
Dicamptodon tenebrosus - Haltung und Balz des pazifischen Riesenquerzahnmolches, amphibia, 12 (1), 2013 S27-31

 

Im Oktober 2011 habe ich 4 junge Dicamptodon tenebrosus Larven erhalten. Die Tiere waren bei Ankunft etwa 12cm lang und in perfekter äußerlicher Verfassung. Sie entstammten einem Direktimport.

Aquarium und Einrichtung:

Das Becken ist ein 100x40x40cm. Der Bodengrund besteht aus 5cm hohem "Dark Caviar" (von Aquaterratec). Als Einrichtung befinden sich Tonröhren, PVC-Rohre und Vallisneria spec. im Becken. Die Wassertemperatur betrug im Winter etwa15-17°C und stieg bisher auf maximal 21°C an. Um potentiellen Temperaturstress zu vermeiden wird begonnen das Becken mit Kühlakkus zu kühlen, was eine Temperatursenkung von etwa 2°C bringt.
Das Becken wird mit einer Leuchtstoffröhre 11 Stunden am Tag beleuchtet. Licht scheint die Tiere nicht sonderlich zu stören.
Wichtig ist, einen großen Abstand von Wasseroberfläche zum Beckenrand zu lassen. Als Minimum wäre hier 3/4 der Gesamtlänge des größten Tieres zu sehen. Zusätzlich sollte das Becken einen 5cm breiten Rand aus Glas oder Klebeband haben, oder noch besser eine stabile Abdeckung, um ein Entkommen zu verhindern.

Filterung/Technik:

Das Becken wird vorrangig von einem JBL Cristal Profi 250 gefiltert. Für zusätzliche Strömung befindet sich an der dem Auslass gegenüber liegenden Seite ein Fluval 2 Plus Innenfilter ohne Filtermaterial, der im 25°-Winkel nach untenan entlang der Frontscheibe für viel Wasserbewegung sorgt (2-10cm/sec). Seit Ende Mai wird zusätzlich mit einem Ausströmerstein belüftet und Luft durch den Innenfilter mit dem Wasserstrom vermischt (Hierzu sind bereits Anschlüsse vorhanden), da zu beobachten war, dass die Larven ab 19°C vermehrt nach Luft schnappten.

Ernährung:

Die Tiere sind überhaupt nicht wählerisch. Es wird alles gefressen was möglich zu fressen ist. Hier ist das gößte Problem genug hochwertiges Futter zu besorgen.
Meist werden die Tiere mit folgendem gefüttert: Tauwürmer, Grillen, Wachsmaden, Rosenkäferlarven, Guppys und Stinte.
Gefüttert wird in der Regel alle zwei Tage mit 5 mittleren Grillen, 6 Wachsmaden, einer Rosenkäferlarve, ganzen Tauwürmern, oder einer Mischung aus vorhandenem Futter (bezieht sich auf eine Größe von 20cm langen Tieren).
Die Tiere scheinen unersättlich, so wurden beispielsweise schon etwa 15 Wachsmaden und zwei große Rosenkäferlarven pro Tier und Woche gefressen, ohne Anzeichen von Sättigung zu bemerken. Zumindest scheint sich die innerartliche Aggressivität damit unterdrücken zu lassen.
Gefressen wird auch totes Futter, wenngleich mit deutlich weniger Elan. Hier gab es Versuche mit Axolotlpellets und überbrühten Bachflohkrebsen.

Verhalten, Temperament:

Die Tiere sind eindeutig territorial und aggressiv. Bei Kontakt mit einem anderen Tier wird in der Regel sofort geschnappt oder das schwächere Tier schwimmt mit hoher Geschwindigkeit davon. Immer wieder fehlen Schwanzspitzen oder Stücke des Schwimmsaumes, die aber zügig regeneriert werden. Auch deutliche Zahnabdrücke an Seiten und am Schädel findet man immer wieder. Gröbere Verletzungen blieben bisher aus, was darauf schließen lässt, dass die Tiere sich sehr schnell ausweichen und keine längeren Konflikte eingehen.
Ein Versteckplatz wird nicht geteilt, auch direkt neben einander liegende Verstecke werden nicht von zwei Tieren bewohnt.

Meist halten sich die Tiere lauernd in Verstecken auf, die teilweise tagelang augenscheinlich nicht verlassen werden (Das Maximum beläuft sich bisher auf vier Wochen, da ein Tier seitdem in einer schwimmenden Korkröhre sitzt und diese nicht verlassen zu wollen scheint). Trotz dieses Verhaltens sind diese Tiere die bisher aktivsten Schwanzlurche, die ich hatte. Oft läuft ein Tier in alller Ruhe für bis zu einer Stunde durch das Becken.
Tagsüber sind die Tiere meist in Bodennähe zu finden, nachts jedoch, hängen sie oft direkt unter der Oberfläche in den Vallisneria.

Bisherige Entwicklung bei mir:

Die Larven wuchsen innerhalb von 8 Monaten von 12cm auf knapp über 20cm heran. Das Wachstum war sehr gleichmäßig, etwa 1cm/Monat.
Wirkliche Anzeichen einer Metamorphose sind bisher nicht zu erkennen. Lediglich eine stärker werdende Maserung im Kopfbereich und Schwimmsaum, sowie eine verwaschene Zeichnung von der Bauchseite her sind zu erkennen.

Ein Tier habe ich verloren, da es geschafft hat, aus dem Becken zu entkommen und ausserhalb zu vertrocknen. Aus diesem Grund habe ich oben den Heinweis auf eine Abdeckung gegeben.

Neuerungen 1.2012:

Die Tiere sind in einen Raum und in ein 120x40x50 Becken umgezogen. Je nach Aussentemperatur hat es dort im Winter 8-12°C. Das entspricht in etwa ihren natürlichen Gewässern. Zusätzlich haben sie nun weitaus mehr Höhlen aus großen Steinplatten, sodass sie inzwischen ihre Plätze nur noch selten wechseln. Zusätzlich könnte dies durch die stärkere Beleuchtung hervorgerufen werden, die aus 2x30W-Leuchtstoffröhren der Farbe 840 besteht. Die Köpfe schauen weiterhin aus den Höhlen und wenn es Futter gibt sind alle immer sofort da. Hier scheinen weder Temperatur, noch Beleuchtungsstärke eine Rolle zu spielen.

Zusätzlich wird die Strömung inzwischen von einer Kreiselpumpe mit etwa der Leistung von etwa 1000l/h erzeugt.

 

Weiterführende Literatur:

http://animals.jrank.org/pages/269/Pacific-Giant-Salamanders-Dicamptodontidae-DIET.html

http://humboldt-dspace.calstate.edu/xmlui/bitstream/handle/2148/377/LARKIN%20CHASES%20FINAL%20THESIS.pdf?sequence=1

Bernhard, Emery. Salamanders. New York: Holiday House, 1995.

Duellman, William E., and Linda Trueb. Biology of Amphibians. Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1994.

Gunzi, Christiane. Amphibians and Reptiles of North America. San Diego, CA: Thunder Bay, 1995.

Lawlor, Elizabeth P. Discover Nature in Water and Wetlands. Mechanicsburg, PA: Stackpole, 2000.

Llamas Ruiz, Andres. Reptiles and Amphibians: Birth and Growth. New York: Sterling, 1996.

Petranka, J. W. Salamanders of the United States and Canada. Washington, DC: Smithsonian Institution Press, 1998.