Kroatien 03.-10.04.2016

Gegen Ende meines Winterurlaubs stellte sich die Frage, ob es in diesem Jahr einen weiteren Urlaub geben sollte, oder nicht. Mein Zeitfenster war sehr klein, sodass ich nur zwei Wochen zwischen Ende März und Anfang April freimachen konnte. Die erste Woche fiel wegen der Osterferien für mich aus, somit blieb nur die erste Aprilwoche übrig. Da ich keine Begleitung finden konnte, sollte ich wieder einmal allein losziehen.
Wegen der günstigen Flüge und der Hoffnung auf gutes Wetter sollte Kroatien mein Ziel werden. Um möglichen Schlechtwetterperioden aus dem Weg gehen zu können, plante ich meine Reise so, dass ich im Verlauf der Woche von Zadar (Flughafen) hinunter nach Dubrovnik und wieder zurück reisen konnte.

Der Flug verlief unproblematisch und nach den Einreisekontrollen konnte ich meinen Mietwagen schnell übernehmen.  Ich habe alle meine Punkte, die ich bereisen wollte im Vorfeld via Google und Google Street View herausgesucht.  Mein erster Punkt war unweit von Zadar und so konnte ich bereits um 12Uhr mittags  dort die Suche beginnen. Da die Prognosen auf Hornottern (Vipera ammodytes) zu stoßen in Kroatien eigentlich immer ganz gut stehen, machte ich diese gefürchteten Tiere zu meinem Hauptaugenmerk.

Mein nagelneuer Ford Focus  im ersten Habitat.

Der Beginn läuft immer schleppend. Die Augen müssen sich zuerst an die neue Umgebung gewöhnen.

Leider war das mein erster Fund: Wechselkröte (Bufotes viridis) DOR (dead on road).

Langsam konnte ich die ersten Tiere sehen – allerdings immer erst nachdem sie mich sahen.

Smaragdeidechse Jungtier (Lacerta trilineata)

Auch Ruineneidechsen (Podarcis siculus) und Pracht-Kieleidechsen (Algyroides nigropunctatus) konnte ich bald finden.

Mit zahlreichen Eidechsen beendete ich den Tag auch sehr zufrieden und freute mich auf die erste Ferienwohnung, die für zwei Nächte mein Zuhause sein sollte.

Tag 2

Am zweiten Tag wollte ich mich zu einem der wasserreichen Nationalparks aufmachen. Sowohl das Umland als auch die touristischen Pfade standen auf dem Tagesprogramm.

Schon gegen 7:30 war ich an einer Feuchtwiese angekommen. Mein Erster Fund war sehr fotoscheu:
Springfrosch (Rana dalmatina)

Die nächsten Funde – meine amphiben Nemesis, waren noch schlimmer.
Es wimmelte vor Grünfröschen (Pelophylax kl. Esculenta), die grundsätzlich schneller sind als ich!
Ein paar konnte ich aus großer Entfernung aber doch fotografieren.

Auf dem Rückweg verfolgte ich eine Zeit lang ein P. siculus Männchen. Es war eifrig auf der Suche nach einem Partner und fand diesen schließlich. Schade nur, dass diese Tiere nicht einfach ganz fotogen auf einem Stein sitzen bleiben können. Ich musste mich ruhig verhalten, da die sonst sofort mit ihrem Spiel auffhörten.


Gerade als ich mich umdrehte, sah ich direkt neben mir eine Schlange im Gebüsch verschwinden.
Sie muss direkt hinter mir über den Weg gekrochen sein. Gerade noch konnte ich ihren Schwanz greifen und kann mit großer Freude sagen, dass ich meine erste Leopardnatter (Zamenis siitula) zu sehen bekommen habe.

Ein wirklich wunderschönes Tier! Leider sind alle Arten dieser Gattung sehr nervöse Gesellen, sodass sich dieses Tier kaum zwischen Flucht und Angriff entscheiden konnte.

Ein paar brauchbare Fotos konnte ich aber dennoch schießen.

Wenige Meter weg, genoss eine adulte L. trilineata die Morgensonne:

Auf denTouri-Wegen des Nationalparks war ich am frühen Morgen noch der einzige. Lediglich die Damen des Kassenhäuschens waren schon da :(
Die ersten Individuen der Adriatischen Mauereidechse (Podarcis melisellensis) saßen mitten auf dem Weg.
Weibchen:


Männchen: 

Auch einige L- trilineata konnte ich an ganz dekorativen Plätzen finden:

Bald begnete ich den ersten anderen Touristen. Eine französische Familie, bei denen nur der Vater richtig motiviert scheint und die pubertierende Tochter mit dauerhaftem Blick aufs Smartphone auch mich erst im letzten Moment bemerkte. Kaum war ich fünf Meter an der Familie vorbei, schaute ich kurz auf den Weg und fand das (Suchen!):

Eine junge Würfelnatter (Natrix tessellata). Es war mehr als Glück im Spiel, dass sie nicht zertreten wurde.


Eine Ringelnatter (Natrix natrix) schlängelte sich ein paar Meter vor mir durch die Ufervegetation.

Einen Meter weg von ihr, sonnte sich ein Seefrosch (Pelophylax ridibundus)

P. siculus

Ein Rascheln weckte meine Aufmerksamkeit und so fand ich die zweite N. natrix beim blutigen Kampf mit einem Grünfrosch.

Wie durch ein Wunder, konnte ich an diesem Morgen bereits die zweite Z. situla „bergen“.
Ein Jungtier, das erst frisch gefressen hatte. Um sie nicht unnötig zu stressen, habe ich sie sofort wieder ziehen lassen.

Kurz darauf konnte ich noch einige N. tessellata entdecken. Sicherlich 10 Stück habe ich an diesem Tag gesehen.

Tag 3

Ich machte mich auf dem Weg zu meiner nächsten Unterkunft. Auf dem Weg habe ich mir einige Plätze ausgesucht, die sehr unterschiedlich sind.
So konnte ich die ersten Kaulquappen finden.

Natürlich waren allerhand grüner Eidechsen, die sowieso meine alltäglichen Begleiter waren, aber auch A. nigropunctatus schnell gefunden.


 

Leider stellten sich nicht alle Punkte als so schön dar, wie ich sie mir ausmalte und ich war gegen Mittag doch etwas frustriert, dass sich nur die üblichen Verdächtigen finden ließen. Daher fasst ich den Entschluss, wieder eher feuchte Habitate aufzusuchen und fuhr mal eben 50km in einie völlig ungeplante Richtung.
Meine Begrüßung dort war ein Pärchen Haubentaucher und eine Symphonie der Grünfrösche. Unglaublich, wie sich hunderte dieser Tiere anhören!


Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass eine N. tessellata direkt vor mir saß.

Der See selbst ist sicherlich ein El Dorado für Angler. Diese Karpfen hätte man beinahe mit der Hand fangen können.

N. tesellata mit Beute:

Ein Bild vom See von oben. Das Video machte ich von der kleinen Ecke ganz rechts aus. Die tatsächliche Größe ließ sich von dort überhaupt nicht feststellen!

Nach einigen weiteren Grünfröschen, Eidechsen und Würfelnattern, machte ich mich auf den Rückweg. Dort entdeckte ich einen Teich. Bis auf Goldfische und Grünfrösche nichts zu finden. Wie kommen diese ganzen Grünfrösche eigentlich in jedes Wasserloch, selbst wenn rund um ihren Lebensraum nichts als dürres Land ist?

Ich war zu früh an meiner neuen Ferienwohnung und es war niemand da. Deshalb warf ich Google an. Das Habitat vom Morgen sah doch so viel besser aus, als ich es mir zuhause angeschaut hatte. Nachdem ich einen neuen Parkplatz ausmachen konnte, bin ich erneut dorthin gefahren.

Es war bereits 16Uhr, 27°C vermeldete das Auto. Mein Sonnenbrand tat was er sollte und ich war schon etwas abgeschlagen. Im Dickicht hörte ich aber etwas rascheln. Kurz darauf streckte ein Scheltopusik (Pseudopus apodus) seinen Kopf heraus.

Galant wie üblich, war er nur schwer in eine sinnvolle Position zu bringen.

Die Grünfrösche waren auch hier mächtig mit der Fortpflanzung beschäftigt:

Einige Meter weiter konnte ich dann das sehen: Ein weiterer P. apodus!

Dieses Tier war riesig, sicherlich etwa einen Meter lang.

Tag 4

Bereits am Vortag war ich an einem Hang unterwegs, der wie gemacht für V. ammodytes aussah. Da es allerdings jenseits der 25°C hatte, wollte ich an diesem Morgen nochmals vorbeischauen.

Selbst nach mehrstündiger Suche, kein Ergebnis. Lediglich diese Spuren weckten mein Interesse:
War vor mir ein Bär unterwegs?

In weiteren Habitaten konnte ich ebenfalls keine wirklichen Erfolge verbuchen. Eidechsen fotografiere ich nur noch, wenn sie an einem besonders schönen Ort sitzen :D

Ein Schild auf dem Weg zur nächsten Unterkunft erweckte aber mein Interesse: Es war eine Schildkröte abgebildet, also schnell mal einen Umweg!

Mit der Hilfe der EU wird hier eine besonders bedrohte Art erhalten: Rauhnacken-Schildkröte (Mauremys rivulata) (ist der Trivialname überhaupt richtig?).
Diese Tiere sind leider extrem wachsam. Ich musste über 15 Minuten im Gras liegen, bis ich die ersten brauchbaren Fotos machen konnte. Dennoch blieben die Tiere schön auf Abstand.
Leider unterbrach ein freilaufender Hund alle weiteren Versuche mich den Tieren zu nähern, indem er mitten in den Teich sprang.

Ich konnte allerdings hören, dass es noch einen zweiten Teich geben musste.

Auch hier schwammen einige M. rivulata herum und neben mir erschien im hohen Gras ein P. apodus.

Da ich an meiner neuen Unterkunft etwas zu früh ankam, wollte ich den nahegelegenen Strand besuchen. Die ersten Kroaten schwimmen bereits im 17°C kühlen Wasser!
Auch eine ganz neue Eidechse konnte ich dort schnell finden: Die dalmatinische Spitzkopfeidechse (Dalmatolacerta oxycephala). Schicke Tiere!

Tag 5

Für mich war Wasser jetzt der Anzugpunkt. Alles andere macht irgendwie nicht wo viel Spaß. Deshalb war mein Start ebenfalls nass.

Neben den üblichen Verdächtigen, konnte ich diesesn Tag mit 3 weiteren P. apodus beginnen. Die werden nicht langweilig!

Auf dem Weg zu einem großen Fluss-Delta  konnte ich unzählige überfahrene N. tessellata finden. Überhaupt, gab es in Kroatien massig überfahrene Schlangen (N. tessellata, Z. situla) und auch viele Eidechsen. An vielen Stellen konnte ich nicht anhalten, aber ich bin mir sicher, dass ich noch die ein oder andere Art hätte auf diesem Wege nachweisen können.

Das Fluss-Delta selbst, blieb mir ziemlich verschlossen. Ich fand kaum sinnvoll erscheinende Zugangspunkte und konnte daher auch keine neuen Arten sehen.
Dieser Tag war damit der am wenigsten erfolgreiche.

Tag 6

Für heute ist sehr schlechtes Wetter angekündigt. Regen mit Gewitter soll ab 11Uhr auf dem Programm stehen. Bereits am Morgen ist alles dick mit Wolken behangen.


Dennoch oder gerade deshalb, bin ich schon vor 7Uhr unterwegs. Ein böiger Wind macht die Sache jedoch nicht besser. Bis auf ein paar Grünfrösche und eine D. oxycephala schlummern wohl noch alle Tiere.


Unter einer Abdeckung eines Wasserspeichers, sah ich zudem einen Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus) rennen.


Kurz darauf beginnt es zu tröpfeln. Jedoch  legt sich dies wieder. Allerdings bleibt es trüb und ungemütlich. Deshalb habe ich mich tatsächlich dazu entschieden ein echtes Touri-Highlight zu besuchen: Dubrovnik! Als ich aber die Parkgebühren sehe, drehe ich doch wieder um ;)
Dafür begebe ich mich etwas abseits auf den Berg und kann Dubrovnik zumindest umsonst von oben besichtigen!


Etwas frustriert mache ich mich auf den Rückweg in mein Zimmer, um diesen Bericht zu schreiben. Doch gegen 12:30 beginnt es für ein paar Stunden sogar überwiegend aufzuklaren!
Also alle Motivation voraus!

Nach einiger Zeit finde ich sogar eine für mich neue Art:
 Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni).

Zudem kommt noch ein weiterer P. apodus und viele Eidechsen hinzu.

Tag 7

Der Tag beginnt noch schlechter als der Tag zuvor. Ich werde von tiefhängenden Wolken und einzelnen Schauern begrüßt.
Laut Wettervorhersage soll es im Süden etwa 45 Liter regnen – in der Mitte nur 12 Liter. Da trifft es sich doch, dass ich heute 300km zurück in den Norden fahren muss, um mein letztes Appartement in Empfang zu nehmen.
Die Fahrt wird von heftigen Schauern und Gewittern begleitet.

Als ich von der Autobahn fahre und die letzten 15km Landstraße vor mir habe, sehe ich unzählige überfahrene B. viridis und B. bufo. Sie haben mit den Regenfällen wohl ihre Wanderungen begonnen.

Da es weiterhin regnet, nehme ich mein Appartement schon um 11Uhr in Empfang. Bis 12:30 regnet es ohne Pause. Anschließend, kann man immer wieder zaghaft die Sonne durch die dünner werdenden Wolken sehen. Also zieht es mich wieder nach draußen.

Es hat nur 16°C und es ist selbst für mich im T-Shirt kühl. Ich wende allerhand Dachpappen, die ich gefunden habe, jedoch finde ich dort nur Hundertfüßer, Asseln und Ameisen. Bald aber sehe ich die ersten P. sicula und den ersten P. apodus.

Es vergehen aber Stunden, bis ich zwischen Steinen eine Schwanzspitze verschwinden sehe. Ich warte geduldig und ohne Regung. Irgendwann erscheint ein kleiner Kopf. Zuerst dachte ich an eine Eidechse. Das erste Foto aber beweist: Schlanknatter (Platyceps najadum). Am liebsten würde ich herumhüpfen!


Da sich der Zwerg keinen Millimeter voran bewegen möchte und mich eindeutig beobachtet, ziehe ich mich zurück um einige Minuten später erneut dort vorbeizukommen.
Leider sitzt die Schlange immer noch reglos an derselben Stelle. Nach kurzer „Überzeugungsarbeit“ halte ich sie aber in den Händen. Ihre nadelspitzen Zähnchen treffen mich fast dauerhaft an verschiedensten Stellen – aber es hat sich gelohnt!

Habitat von P. najadum und P. apodus
 

Tag 8

Ich habe ziemlich genau bis 9Uhr, bis ich mich auf den Weg zum Flughafen machen muss. Die Zeit will genutzt werden, also gehe ich erneut zum Habitat von gestern.

Es lassen sich am frühen Morgen aber nur die üblichen Verdächtigen finden.

Also noch ein paar Minuten am Strand entspannen und dann geht es zum Flughafen.

Artenliste:
1. Algyroides nigropunctatus
2. Bufo bufo
3. Bufotes viridis
4. Dalmatolacerta oxycephala
5. Hemidactylus turcicus
6. Lacerta trilineata
7. Mauremys rivulata
8. Natrix natrix
9. Natrix tessellata
10. Platyceps najadum
11. Pelophylax kl. Esculentus
12. Pelophylax ridibundus
13. Podarcis melisellensis
14. Podarcis siculus
15. Pseudopus apodus
16. Testudo hermanni
17. Zamenis situla