Montenegro im Mai 2017

Montenegro 14.05.-21.05.2017

Auch in diesem Jahr stand die Frage im Raum, was ich nach dem jährlichen Winterurlaub im Frühjahr machen sollte. Da der Balkan bisher ein wirklich tolles Ziel darstellte und insbesondere das noch unbekannte Montenegro seit jeher eine große Anziehungskraft auf mich hatte, habe ich den Entschluss gefasst, dorthin zu reisen.
Wie beinahe immer, konnten sich keine Gruppe finden, die in meinem engen Zeitraum ebenfalls Zeit finden konnte. Daher buchte ich den Flug als Alleinreisender.
Alle Verabredungen, sich dort unten mit anderen Gleichgesinnten zu treffen scheiterten im Wesentlichen leider am Wetter.

Ein Freund (Florian) von mir, derim Februar von meinem Plan hörte, entschloss sich im März dann endgültig mich einfach zu begleiten, indem er von Deutschland aus direkt nach Montenegro fahren wolle, um mich vom Flughafen abzuholen. Das alles, obwohl er mit diesem Hobby nicht das Geringste zu tun hat! Danke dafür!

Mein Flug brachte mich von Frankfurt direkt in etwa 2 Stunden nach Podgorica. Die kleine Fokker 100 ist nicht so schnell wie "akutelle" Verkehrsflugzeuge und schon in die Jahre gekommen - aber 'runter kommen sie alle.
Montenegro bestach schon beim Überflug mit toller Landschaft.

So geschah es, dass ich am Nachmittag des 14.05. gerade durch den Ausgang des Flughafens Podgorica kam, als mein Freund eben diesen betrat. Punktlandung :-)

Wir machten uns auf den Weg nach Ulcinj an die Küste. Wir hatten unsere erste Unterkunft sicherheitshalber an der Küste geplant, da das Wetter dort stabiler ist und wir den weiterenVerlauf der Reise individuell planen wollten.

Auf dem Weg machten wir einen kurzen Stopp um uns ein wenig umzuschauen und die Beine zu vertreten.
Wir wurden von einem Rudel aus etwa 20 Straßenhunden begrüßt. Straßenhunde sind dort Alltag und nach unseren Erfahrungen ausschließlich ängstlich oder freundlich gestimmt, aber keineswegs aggressiv.

Es war allerdings schon spät und Florian augenscheinlich auch etwas platt von der langen Anreise.
Wir kamen also zum Sonnenuntergang in unserem Hotel an und machten uns von dort aus gemeinsam mit dem Hotelier auf den Weg in das Stadtzentrum um etwas zu essen.

Tag 2

Nach einem guten Frühstück und etwas längerer Anlaufzeit machten wir uns auf den Weg zur berühmten Insel Ada an die Grenze nach Albanien.
Dort hatten wir keine Probleme massenhaft Mauereidechsen (Podarcis muralis), Ruineneidechsen (P. siculus), Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni), Blindschleichen (Anguis graeca) und zwei Ringelnattern (Natrix natrix) zu finden.

Podarcis siculus

Als wir zum Strand fuhren, fanden wir auf der Straße auch eine überfahrene Eidechsennatter (Malpolon insignitus).
Diese Schlange sollte bei Weitem nicht das einzige Straßenopfer bleiben.

Auf Ada wurden wir von Mücken beinahe gefressen und die Temperaturen von beinahe 29°C waren auch nicht mehr optimal.
Da die Wettervorhersage für die Berge die nächsten Tage sehr gut aussah, entschlossen wir uns in diese Richtung weiter zu fahren und einen Stopp am Skutarisee zu machen.

An einem Aussichtspunkt fanden wir mehrere Eidechsen. Eine große Blütenmantis und einen Scheltopusik (Pseudopus apodus).

Die Wege in Montenegro sind nicht weit. Wir hatten etwa 170km Gesamtstrecke. Es gibt allerdings keine Autobahn und die kurvenreichen Straßen gepaart mit dem teilweise halsbrecherischen Fahrstil der Montenegriner (Albaner, Serben, Bosnier, Russen, Kroaten...) macht so eine kurze Strecke gerne mal über 3 Stunden lang.
Am Abend genossen wir ein herausragendes Abendsessen in Kolasin zu sehr günstigen Preisen, die mit der Küste nicht zu vergleichen sind! Zudem landeten wir noch in einem Jugendhaus für eine Runde Billard.

Tag 3

Heute sollte es hoch hinaus gehen. Der Morgen war mit 11°C frisch. (an der Küste hatte es am Vortag 20°C!).
Wir ließen uns nicht beirren und starteten den strapaziösen Aufstieg (für Fahrer und Auto :-) ). Leider fanden auf unserer Strecke Baumfällarbeiten statt und wir mussten einige Zeit warten. Dabei fand ich eine Pfütze mit vielen Kaulquappen.

Schon bald waren wir jenseits der 1500m NN und wurden von immer größer werdenden Schneefeldern überrascht.
Auf etwa 1800m angekommen wehte starker Wind und von den versprochenen 19°C war überhaupt nichts zu spüren. Wenn überhaupt schaute die Sonne nur ganz kurz mal zwischen den Wolken hervor.
Ich nutzte die Gelegenheit aber dennoch gerne die verpasse Krokusblüte im Frühjahr in Deutschland hier nachzuholen.

Immer wieder fanden wir auch Waldeichsen (Zootoca vivipara).

...und viel mehr Krokus!
Vielleicht meine neue Lieblingspflanze.

Nach einigen Stunden der Suche, ließ sich aber auch noch eines der ursprünglich gesuchten Ziele blicken: Eine bosnische Kreuzotter (Vipera berus bosniensis). Sie war natürlich bestens versteckt und so übellaunig, wie ich noch nie eine Kreuzotter erlebt habe.
Am Fundort:

Weitere Funde blieben aber leider aus.
Wir machten uns also auf den Weg hinab. Spontan hielten wir an einer Ausbuchtung und fanden nach 50 Metern einen kleinen Tümpel mit vielen Bergmolche (Ichthyosaura alpestris), Gelbbauchunken (Bombina variegata) und Krötenlaich.

Da das Wetter keine wirkliche Besserung versprach (es regnete zwischendurch auch kurz), wollten wir unser Glück in einer anderen Bergregion am nächsten Tag versuchen.
Zudem benötigte die Fahrt in die Berge extrem viel Zeit und war eigentlich nur einem Geländewagen zuzumuten.
Auf dem Weg nach Zabljak passierten wir den Nationalpark Biogradska Gora, dessen See wir kurzerhand zu Fuß umrundeten.

Dort war gerade Hauptpaarungszeit der Erdkröten (Bufo bufo). zudem fanden wir noch A. graeca und N. natrix.
Viele Waldpflanzen standen in voller Blüte und insbesondere die Bärlauchfelder waren beeindruckend.

Im Weiteren Verlauf der Fahrt trafen wir auf eine ebenfalls typische Szene Montenegros: Die Einheimischen Nutzen normale Durchgangsstraßen regelmäßig für den Viehtrieb. So laufen oft Ziegen auf "Bundesstraßen" oder eben auch Kühe.

Ein kurzer Zwischenstopp führte uns noch an den berühmten Tara-Canyon. Es handelt sich hierbei um den zweittiefsten (über 1000 Meter!) Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon). Beeindruckend schön ist die Fahrt entlang der Tara und der Blick von der Tara-Brücke.

In Zabljak angekommen waren wir mal nicht die Einzigen im Hotel, sondern teilten es uns mit 6 weiteren Deutschen. Die Nacht endete in einem kleinen Gelage mitsamt Hauptstraßen-Flunkyball - was die Polizei ebenfalls nur mit Kopfschütteln quittieren konnte.

Tag 4

Der Morgen startet mit Starkregen und 6°C. Die Wettervorhersage für die Berge ist ebenso zutreffend wie ein Lotto-Tipp.
Nun sind wir aber an dem Bergmassiv, dass mich seit jeher anzieht wie kein anderes. Also setzen wir uns ins Auto, als der Regen aufhörte.
Die Gipfel sind größtenteils in Wolken gehüllt. Der Wind weht unerbittlich und stark. Immer wieder setzt Regen ein.
Ich lasse mich nicht beirren und zwinge Florian andauernd zum Halten, damit ich ein paar Fotos schießen kann.

An der wahrscheinlich windigsten Stelle des Balkans fährt sich das Auto komisch. Gerade auf der asphaltierten Straße holen wir uns einen Platten. Also folgt ein Reifenwechsel und eines meiner seltenen Selfies, da dieser Moment sonst ohne entsprechende Würdigung verganzen wäre. Florian ist nämlich wirklich gut ausgestattet und löst das Problem innerhalb kürzester Zeit.

Die Krokusfelder im folgenden Bilder erregen meine Aufmerksamkeit und wir stoppen für ein paar "bunte" Bilder.

Durch Zufall entdecken wir aber noch einen See, der noch Zur Hälfte im Schnee liegt. Dort tummeln sich unzählige Bergmolche im 0°C kalten Wasser und direkt herum. Sicherlich mehr als 50 Tiere finden wir ohne wirklich zu suchen.

Auf dem Weg durch das Gebirge sehe ich etwas auf der Straße, was ich gerne lebendig entdeckt hätte. Es liegt dort mitten auf der Straße eine Wiesenotter (Vipera ursinii macrops). Ein Traumziel dieser Reise. So nah und doch so fern.
Dieses Exemplar bleibt einer hochbedrohten Art bleibt unser einziger Nachweis für diesen eigentlich so unberührten Teil des Landes.

Wir beschließen die Berge einen Tag früher als geplant zu verlassen. Leicht fiel es mir nicht, immerhin gab es noch so viel zu entdecken. Doch das Wetter war nicht aussichtsreich genug.
Auf dem Weg Richtung Küste machen wir noch zwei kurze Stopps. Das Wetter ist auf halber Strecke schon vollkommen anders.
So überraschen uns schnell Smaragdeidechsen (Lacerta bilineata), Spitzkopfeidechsen (Dalmatolacerta oxycephala), ein Springfrosch (Rana dalmatina), Blindschleichen und eine Äskulapnatter (Zamenis longissimus).

Weiter geht es dann zielstrebig in Richtung Kotor. Mit Blick auf die beeidruckende Bucht freuen wir uns schon auf eine Übernachtung inmitten der Altstadt.

Tag 5

Wir verlassen die schöne Stadt Kotor am Morgen als bereits zwei Kreuzfahrtschiffe eingelaufen sind um tausende Touristen durch die Altstadt zu schieben. Kotor ist dann reizvoll, wenn die Massen noch nicht da sind.

Wir wollen das Mausoleum von Petar II Petrovic-Njegos im Lovcen Nationalpark besichtigen gehen. Auf 19km Strecke windet sich die Straße von 0 auf über 1800m NN.
Auf der Strecke entdecken wir zwei frisch überfahrene Leopardnattern (Zamenis situla).

Der Blick vom Mausoleum ist atemberaubend. Auf der einen Seite ist das Meer ganz nah und gleichzeitig kann man weit in das Land schauen.

Wir wollen noch einen nicht ganz einfach zu erreichenden See im Nationalpark besuchen und schafften es auch.

Dieser ist allerdings stark verlandet. Im Prinzip gibt es nur wenige Wasserlöcher in denen sich Teichmolche (Lissotriton vulgaris) und Kammmolche (Triturus macedonicus) aufhalten. Wir finden vorrangig viele ertrunkene Tiere, die in eutrophierenden Bereichen zwischen Grünalgen ihr Leben ließen.

Auf dem Rückweg zum Auto hätte dann Florian beinahe eine kleine Hornotter (Vipera ammodytes) zertreten.

Im weiteren Verlauf fuhren wir noch einen Teich an, den wir eigentlich wegen Kammmolchen aufgesucht hatten. Stattdessen fanden wir aber viele Grünfrösche (Pelophylax spec.), N. natrix, Lissotriton vulgaris.

Und später noch T. hermanni.

Tag 6

Nach einer Nacht in Budva, mit ebenfalls sehr schöner Altstadt fahren wir wild durch küstennahe Gebiete. Schnell kann man sich hier verzetteln, da die Straßen innerhalb kürzester Zeit weit die Berge hochführen können.

Wir fahren noch Richtung Skutarisee.
Hier finden wir Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) und Würfelnattern (Natrix tessellata).

Tag 7

Wir übernachteten in Bar und starten pünktlich am Morgen.
Dieser Tag geht in die Geschichte der "Todeskandidaten" ein. Wir fahren eine Straße zwischen Küste, Albanien und Skutarisee.
Dort finden wir innerhalb kürzester Zeit auf der Straße oder direkt nebenan einige T. hermanni und P. apodus.
Kurz darauf noch eine Balkan-Zornnatter (Hierophis gemonensis), die allerdings bereits mit einem Auto Bekanntschaft gemacht hatte und die letzten Zuckungen zeigt.

Ich setze einige Tiere von der Straße, inder Hoffnung ihr Leben zu verlängern.

Wir genießen noch mehrfach den fantastischen Ausblick auf den Skutarisee, der durch seine schiere Größe immer wieder beeindruckt.

Immer wieder nähern wir uns dem See und laufen auch mal hinunter. Dort treffen wir auf nette EInheimische und auch in den entlegendsten Ecken deutsche Touristen.
Leider finden wir auch wieder Straßenopfer. Wie diese Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata).

Pracht-Kieleidechse (Algyroides nigropunctatus)

Den Abschluss bildet noch eine überfahrene V. ammodytes.
Denn die Verkehrsopfer sind eine bleibende Erinnerung für mich. Noch nie war ich mit so vielen toten Tieren konfrontiert.

Tag 8

Rückreise.

 

Fazit: Montenegro hinterlässt den Eindruck eines wundervollen Reiselandes. Wir trafen überall auf sehr freundliche Menschen. Das Land bildet Gegensätze ab, die ich so noch nie wahrgenommen habe. Das sowohl landschaftlich, als auch gesellschaftlich und kulturell. Die reiche Küstenregion mit Yachten und Villen steht in krassem Kontrast zu den schroffen Gipfeln mit den armen Bauernfamilien oft viele Kilometer von der nächsten wirkliche Ortschaft. Für Individualtouristen ist Montenegro ein reizvolles Reiseziel und es lassen sich für jeden Geschmack Ziele finden.
Auch für Badetouristen gibt es Sandstrände, die bereits im Mai ausreichend warmes Wasser boten. In den Städten lässt es sich einkaufen wie bei uns. Man muss nichts missen, kann dem Trubel aber auch problemlos aus dem Weg gehen.

Artenliste (DOR: dead on road):

Algyroides nigropunctatus
Anguis graeca
Bombina variegata
Bufo bufo
Dalmatolacerta oxycephala
Elaphe quatuorlineata DOR
Emys orbicularis
Ichthyosaura alpestris
Hierophis gemonensis DOR
Lacerta bilineata
Lissotriton vulgaris
Malopon insignitus DOR
Natrix tessellata
Natrix natrix
Rana dalmatina
Pelophylax spec.
Podarcis muralis
Podarcis sicula
Pseudopus apodus
Testudo hermanni
Triturus macedonicus
Vipera ammodytes
Vipera berus
Vipera ursinii DOR
Zamenis longissimus
Zamenis situla DOR
Zootoca vivipara