Nachzucht von Ambystoma tigrinum

Zum zweiten Mal in Folge ist mir die Nachzucht von Ambystoma tigrinum aus Gilberts, Illinois gelungen. Es sind wieder die selben Tiere wie im letzten Jahr zur Paarung geschritten. Die "Illinois"-Tiere dagegen haben sich gegen die Fortpflanzung gesträubt.
 

Die Eiablage erfolgte ausschließlich an Zweigen der Trauerweide. Dieses Mal ist zu beobachten, dass die größten Gelege mit bis zu 30 Eiern vornehmlich an Bereichen mit größerem Durchmesser (>5mm) gelegt wurden, Kleinere Gelege ab 8 Eiern konnten auch an sehr dünnen Zweigen gefunden werden. Insgesamt können 357 Eier gezählt werden, inklusive 8 abgestorbener Eizellen. (Stand: 19.03.)

Ab 19.03. befinden sich die Eier im Haus bei 18°C und nicht mehr draussen bei 8°C, um die Entwicklung zu beschleunigen und die Entwicklung genauer beobachten zu können.

Ab 29.03. (Tag 0)begann der Schlupf. Insgesamt sind beinahe alle Larven, die schon zu Beginn Entwicklung im Ei zeigten auch geschlüpft. Wie im letzten Jahr gibt es allerdings 5% missgebildete Tiere, die entweder in zu frühem Entwicklungsstadium schlüpfen und nicht lebensfähig sind, oder Deformierungen aufweisen.

 

Die Aufzucht erfolgt nun zu Beginn in einer 5,8L Braplast Dose. Diese ist fast komplett mit Wasser gefüllt, beherrbergt schätzungsweise 50 Larven und ist mit Eichenlaub und Vallisneria eingerichtet. Die Aufzucht soll "naturnäher" erfolgen als im letzten Jahr. Gerade in der Anfangsphase, wenn die Tiere nur totes Futter zu sich nehmen, sollen sich die Futtertiere im Aufzuchtbehältnis vermehren. Als Futter sind Cyclops und Daphnia magna im Einsatz und werden auch mit Brennnesselsud im Becken gefüttert.

Anscheinend haben einige Larven Probleme mit den Cyclops. Es kommt zum Teil zu einer kräftigen Gasentwicklung im Verdauungstrakt, sodass die Larven starken Auftrieb bekommen und kopfüber an der Wasseroberfläche treiben. Zwar stört es die Tiere nicht - sie fressen ganz normal - dennoch beobachte ich dieses Phänomen weiter.

Zum 07.04. (Tag 9), also 7 Tage nach der ersten Nahrungsaufnahme, liegt die Größe der Tiere im Schnitt bei 1,9cm (1,7-2,1cm).

14.04. (Tag 16): Die erste Larve hat 3,5cm. Der Rest befindet sich im Bereich um 2,5cm. Die größte Larve hat sich ihren Vorsprung dur Kannibalismus erarbeitet und hat bereits mindestens 2 annähernd gleich große Geschwisterchen komplett gefressen.

 

Die Larve sitzt nur seperat.

Die restliche Gruppe (50-65 Tiere) sitzt nun in einem Behältnis mit der Grundfläche 39x28cm und nicht mehr nur 19x19cm.
Mit der Umsetzung wurde auch erst der zweite Wasserwechsel durchgeführt. Das Beckenklima ist sehr stabil. Ich biete mit etwa 13 Litern Wasservolumen recht viel Flüssigkeit, Vallisneria wachsen im Becken. Futterreste werden zuverlässig von Wasserasseln und Schnecken verwertet. Als Futter dienen inzwischen zusätzlich kleine Wasserasseln und Enchyträen, es befindet sich immer Futter im Becken.

20.04. (Tag 22): Mittlerweile sind die Tiere auf durchschnittlich 3cm herangewachsen. Die Schwankung beträgt etwa 0,5cm nach oben und unten. Das zuvor abgebildete Tier misst nun stattliche 5cm! Hier wird deutlich wie erfolgreich Kannibalismus ist und wie stark sich das auf eine Gruppe von Larven auswirken kann. Eine Wirkung, die auch vom Kannibalis mus kommen könnte, ist, dass das Tier selbst mit 5cm nocht keine vollständig ausgebildeten Vorderbeine hat. Die Tiere mit 3cm sind in ihrer körperlichen Entwicklung genauso weit! Zudem ist bemerkenswert, wie geschickt die Tiere nach Lebendfutter jagen. Im Moment gibt es Glanzwürmer (Lumbriculus variegatus), die mit kräftigen "Sprüngen" erbeutet werden. Trotz größtenteils nicht funktionsfähiger Vorderbeine jagen die Tiere recht aktiv.

22.04. (Tag 24): Die größten Tiere (3,5-5cm) haben heute zum ersten Mal Pellets vorgesetzt bekommen und direkt ohne auch nur einen Pellet auszuspucken, gefressen.
Beim größten Tier erkennt man nun die Hinterbeinknospen obwohl die Vorderbeine noch ein Stück davon entfernt sind wirklich vollständig ausgebildet zu sein.

12.5 (Tag 44).: Ohne eine ständige Trennung der Tiere nach ihrer Größe, hätte sich deren Anzahl mit Sicherheit schon halbiert. Während das größte Tier stolze 8cm misst, ist das kleinste bei knapp über 3. Dazwischen gibt es so ziemlich jede Größe und es bedarf viel Fingerspitzengefühl einen Größenbereich zu finden, sodass sich die Tiere gegenseitig möglichst nicht als Futter betrachten. Ein wirkliches Rezept habe ich nicht, aber zumindest ist seit Wochen nichts mehr passiert. Genug Platz und Versteckmöglichkeiten tun ihr übriges.
Mittlerweile füttere ich nur noch das größte Tier mit Pellets, da ich so viel Lebendfutter gekauft habe, dass es eher kaputt gehen würde, als ich es noch verfüttern kann. Im Moment kommen ausschließlich Enchyträen und rote Mückenlarven als Futter zum Einsatz.

Das größte Tier mit 8cm sitzt in einer weißen Box, was man an der Färbung sehr gut sehen kann:

Ein weiteres Tier mit etwa 6cm und "normaler" Färbung:

 

16.06. (Tag 79): Das größte Tier ist nun praktisch fertig mit der Metamorphose (es handelt sich um das helle Tier auf dem vorletzten Bild). Kleine Kiemenstummel und die nicht vorhandene Zeichnung zeigen noch am Ehesten, dass das Tier noch nicht lange aus dem Wasser ist. Insgesamt ist das erste TIer dieses Jahr ganze 16 Tage früher an Land, als bei der Aufzucht im letzten Jahr. Mit 11cm ist die Größe aber dafür auch eher gering.

Die restlichen Tiere weisen sehr große Unterschiede in der Gesamtlänge auf. Mit 5cm gibt es noch einige Tiere, die wirklich weit abgeschlagen sind. Mit 7-9cm befinden sich sehr viele Tiere im Mittelfeld, wachsen sehr gut und sind verhältnismäßig freidlich.

04.07. (Tag 97): Mittlerweile sind 5 Tiere durch die Metamorphose, weitere werden bald folgen.
In den Aussenbecken sind auch bereits zwei Tiere metamorphosiert. Schon als Larven und auch jetzt als frische Metamorphe sind sie deutlich lebhafter gefärbt als die Geschwister im Haus.

Das Aussenbecken, aus dem das untere Tier stammt:

Es steht vollsonnig. Die Sichttiefe beträgt nur 3-4cm, da es voller Schwebealgen, Fadenalgen und Wasserpest ist. Die Tiere darin ernähren sich vorzüglich von Stechmückenlarven, Wasserflöhen und Pellets, sowie Regenwürmern. Das Wachstum ist dem der Tiere im Haus gleich, die nur Pellets bekommen, obwohl die Tiere draussen zu viert in 50 Litern Volumen leben, während die gleiche Zahl im Haus nur etwa 4,5 Liter Wasservolumen zur Verfügung hat.

Das Tier, welches als erstes die Metamorphose beendet hat, bekommt mittlerweile die ersten Flecken, während ein Geschwisterchen, das die Metamorphose erst gestern beendet hat, noch uniform dunkelgrau ist. Dem größeren Tier sieht man die 4 mittleren Heimchen und die zwei großen Wachsmaden der letzten beiden Tage schnell an.

 

14.07. (Tag 107): Etwa ein Drittel der Larven hat sich mittlerweile umgewandelt und frisst fleissig Heimchen und Wachsmottenlarven.

In der Dämmerung kann man mit viel Geduld die TIere im Aussenbecken beobachten. Sie sind sehr scheu und zeigen sich nur, solange sie sich sicher fühlen. Über die letzten Tage konnte ich ein paar Bilder machen. Gut zu erkennen ist die geringe Sichttiefe. Auch sieht man wieder, wie die Tiere trotz vorhandener Kiemen über die Nasenöffnungen atmosphärische Luft atmen.

 

20.07. (Tag 113): Die ersten Tiere sind nun vollkommen stabil an Land und absolut treffsicher, was die Jagd auf Futtertiere betrifft.

An Land habe ich nun Tiere verschiedener Schattierungen, je nach Aufzuchtart. es wird sich zeigen, wie sich die Färbung über die nächsten Wochen ändert. Klar ist, dass sich die Fleckenzeichnung noch verstärken wird und bisher nur wenig vorhanden ist.

 

 

 

05.08. (Tag129): Mehr als die Hälfte der Larven hat sich umgewandelt. Die hellen, kontrastreichen Tiere von draussen lassen sich nicht mehr von den "gewöhnlichen" unterscheiden.
 

Ambystoma tigrinum

 

Die am stärksten Gefärbten Tiere aus der Nähe:

Ambystoma tigrinum

 

Ein Vergleich zwischen zwei frischen Metamorphen. Das kleine Tier ist halb so groß, wie das Größere, 8cm gegen 16cm. Das Bild zeigt damit meine bisher kleinste und größte Metamorphe überhaupt.